Danksagung

Menschen, die den Weg mitgeprägt haben.

In Dankbarkeit.

Hermann Schausten 2010

Hermann Schausten mit Vogel
Hermann Schausten im Garten

Mein Vater war ein begnadeter Waldornithologe, Naturkundler und Naturfotograf. Er war ein leidenschaftlicher Beobachter der Natur, ein Kenner von Flora und Fauna und ein Mensch, der seine Heimat mit großer Aufmerksamkeit, Tiefe und Hingabe wahrnahm. Von Kind an galt seine Begeisterung allem, „was da kreucht und fleucht". Nach seiner frühen, berufsbedingten Verrentung widmete er sich ganz seiner „grünen Leidenschaft".

Autodidaktisch eignete er sich ein außergewöhnliches Wissen über Lebensräume, Tiere und Pflanzen im nördlichen Rheinland-Pfalz an. Er galt als einer der besten Kenner von Flora und Fauna zwischen Ahr, Nahe, Rhein und Westerwald. Mit sicherem Gespür für Biotope gelangen ihm Naturfotografien von besonderer Brillanz und Ästhetik.

Vorkommensnachweise vieler seltener Tierarten wie Wildkatze, Uhu, Smaragdeidechse, Rotmilan, Segelfalter, Schlingnatter und vor allem Apollofalter, aber auch seltener Pflanzen wie Diptam oder blauem Lattich, sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Auch in Hatzenport war er oft als Naturbeobachter unterwegs und riss andere mit seiner Begeisterung und seinem Können mit.

Ein Nachruf von Manfred Braun und Jürgen Frauen endet mit den Worten: „Sein unerwarteter Tod reißt ein Loch in die Naturschutzarbeit in seiner Region, das niemand schließen kann. Mit ihm verliert Rheinland-Pfalz einen seiner letzten Waldornithologen – er ist unersetzlich."

Ein Mensch fehlt in dieser Geschichte nie: mein Vater — Naturschutzbeauftragter im Kreis Cochem-Zell, Naturfotograf, freier Journalist für die Deutsche Weinbau-Zeitschrift (DWZ) und die Rhein-Zeitung.

Er war ein Mann, der die Welt durch ein anderes Objektiv gesehen hat. Wo andere vorbeigingen, blieb er stehen. Wo andere Lärm hörten, hörte er Vögel. Er kannte die Wälder unserer Heimat wie andere ihre Aktenordner — und er hat sie nicht nur dokumentiert, sondern beschützt.

„Niemand kommt alleine weit. Ich bin dankbar für jeden, der Teil dieses Weges ist – und war."

Was er mir mitgegeben hat, steht in keinem Lebenslauf: das Hinschauen. Das Innehalten. Die Geduld, einem Moment Zeit zu geben, bevor man ihn beurteilt. Die leise Klarheit, die man draußen findet, wenn man bereit ist, ihr zuzuhören. Den Respekt vor dem, was wächst — auch dann, wenn es langsam wächst.

Vieles, was ich heute über Haltung, Verantwortung und Wirkung sage, beginnt bei ihm. Auf Waldwegen. Hinter seiner Kamera. In den Gesprächen, die wir führten, und in den Stillen, die wir teilten.

Er hat mir gezeigt, dass echte Größe nicht laut ist. Dass man Dinge schützen muss, die man liebt. Und dass man manchmal einfach stehenbleiben sollte, um zu sehen, was wirklich da ist.

Danke, Papa.

Für die Natur. Für den Blick. Für das Fundament, auf dem ich heute stehe.

Hermann Schausten